Fokus auf 2026
Quartiersentwicklung. Wie die Mobilitätswende vor Ort Gestalt annimmt
Die Mobilitätswende entscheidet sich nicht abstrakt in Strategiepapieren oder Modellrechnungen – sie entscheidet sich dort, wo Menschen leben, sich begegnen und ihren Alltag organisieren: im Quartier. Deshalb stellt das Mobilnetzwerk Region Hannover 2026 bewusst unter den Fokus Quartiersentwicklung.
Als Auftakt gibt Melanie Saraval, Koordinatorin des Mobilnetzwerks, Einblick in die Leitfrage, die uns durch die kommenden Monate begleiten wird: Was hat Quartiersentwicklung mit Mobilitätswende zu tun – und warum brauchen wir dafür neue, gemeinsame Formen der Zusammenarbeit?
Mobilitätswende beginnt im Alltag
Quartiere sind mehr als bauliche Einheiten. Sie sind soziale Räume, Bewegungsräume, Versorgungsräume – und damit zentrale Hebel für eine nachhaltige Mobilitätsentwicklung. Ob Schulweg, Einkauf, Freizeit oder Arbeitsweg: Mobilitätsentscheidungen entstehen hier aus konkreten Bedürfnissen heraus.
Quartiersentwicklung setzt genau an diesem Punkt an. Sie verbindet Mobilität mit Themen wie Stadtplanung, sozialer Infrastruktur, Klimaanpassung, Gesundheit und Teilhabe. Damit wird Mobilität vom reinen Verkehrsproblem zur Gestaltungsaufgabe für lebenswerte Räume.
„Wenn wir Mobilitätswende ernst meinen, müssen wir sie dort verankern, wo sie gelebt wird. Quartiere sind dafür der Schlüssel.“
Warum Quartiersentwicklung ein Querschnittsthema ist
Eine erfolgreiche Quartiersentwicklung lässt sich nicht aus einer einzelnen Fachlogik heraus gestalten. Sie erfordert das Zusammenspiel von Verwaltung, Politik, Zivilgesellschaft, Wohnungswirtschaft, Mobilitätsanbietern und nicht zuletzt den Menschen vor Ort.
Gerade in der Region Hannover zeigt sich, wie unterschiedlich die Ausgangslagen sind: urbane Verdichtungsräume, gewachsene Stadtteile, ländlich geprägte Quartiere. Was sie verbindet, ist der Bedarf nach passgenauen Lösungen statt standardisierter Antworten.
Hier setzt das Mobilnetzwerk an: als Plattform, die Akteur*innen zusammenbringt, Wissen teilt und Räume für gemeinsames Lernen und Erproben schafft.
Quartiersentwicklung und Mobilitätswende
Vom Verkehrsraum zum Lebensraum
Quartiersentwicklung verschiebt den Fokus: weg von der Optimierung des Autoverkehrs, hin zu Aufenthaltsqualität, Sicherheit und sozialer Interaktion. Verkehrsflächen werden neu gedacht – als Orte der Begegnung, des Spiels und der Bewegung.
Nähe statt Zwangsmobilität
Kurze Wege sind ein zentrales Prinzip. Wenn Wohnen, Arbeiten, Bildung, Versorgung und Freizeit näher zusammenrücken, sinkt der Mobilitätsbedarf – und nachhaltige Verkehrsmittel werden attraktiver.
Multimodalität im Quartier
Quartiere sind ideale Testfelder für multimodale Angebote: sichere Fuß- und Radwege, Sharing-Angebote, ÖPNV-Anbindung, Mobilitätsstationen. Entscheidend ist die sinnvolle Verknüpfung, nicht das einzelne Angebot.
Beteiligung als Erfolgsfaktor
Akzeptanz entsteht durch Mitgestaltung. Quartiersentwicklung funktioniert dort am besten, wo Anwohnende frühzeitig eingebunden werden und ihre Perspektiven in Planung und Umsetzung einfließen.
Was ist Quartiersentwicklung?
Ganzheitlicher Ansatz zur Entwicklung überschaubarer Stadt- oder Ortsteile unter sozialen, ökologischen, wirtschaftlichen und räumlichen Gesichtspunkten.
Warum ist sie relevant für die Mobilitätswende?
Weil Mobilitätsentscheidungen im Alltag getroffen werden – und dieser Alltag im Quartier stattfindet.
Welche Akteur*innen sind beteiligt?
Kommunen, Verkehrs- und Stadtplanungsämter, Wohnungswirtschaft, Mobilitätsanbieter, Initiativen, Vereine und Bürger*innen.
Welche Maßnahmen sind typisch?
Verkehrsberuhigung, Ausbau von Rad- und Fußwegen, Mobilitätsstationen, Sharing-Angebote, Umnutzung von Straßenräumen, Beteiligungsformate.
Was braucht es für Erfolg?
Koordination, Vertrauen, klare Ziele – und die Bereitschaft, sektorübergreifend zu denken und zu handeln.
Quartiersentwicklung. So unterstützt das Mobilnetzwerk Ihre Kommune
Mit dem Aktionsprogramm Verkehrswende (VEP 2035+) unterstreicht die Region Hannover die große Bedeutung eines lebenswerten Wohnumfeldes. Der Wunsch, in Wohnquartieren auch ohne eigenes Auto mobil zu sein und gleichzeitig eine hohe Lebens- und Aufenthaltsqualität vorzufinden, nimmt in der Bevölkerung weiter zu.
In der Region Hannover sind auch außerhalb der Landeshauptstadt Hannover verschiedene räumliche Strukturen vorzufinden. Dabei sind dörfliche und kleinstädtische Quartiere, Altbauquartiere, heterogene Wohnquartiere bis hin zu städtischen Kerngebieten auch abseits von klassifizierten Straßen und Hauptverkehrsstraßen zum Teil erheblich durch gebietsfremde (Durchgangs-)Verkehre belastet. Durch eine gezielte Quartiersentwicklung und Weiterentwicklung des Nebenstraßennetzes, die u.a. auf eine Verkehrsberuhigung, die Verbesserung der Nahmobilität von Fuß- und Radverkehr sowie eine Erhöhung der Aufenthalts- und Lebensqualität abzielen, können solche Gebiete vom Kfz-Verkehr entlastet werden und gleichzeitig für gebietsbezogene Verkehre erreichbar bleiben.
Mögliche Maßnahmen
- Durchfahrtssperren
- Einbahnstraßenregelungen und Durchfahrtsbeschränkungen
- Bauliche Elemente zur Verkehrsberuhigung
Wir unterstützen die Regionskommunen
- in verkehrsplanerischer Hinsicht mit weitergehender Konzeption und Planung
- bei Kommunikation und Beteiligung.
Nehmen Sie mit uns Kontakt auf: info@mobilnetzwerk.de
Quartiersentwicklung lebt vom Mitdenken und Mitreden.
Welche Themen, Beispiele oder Herausforderungen aus eurer Kommune sollten wir 2026 gemeinsam in den Blick nehmen?
Sagt es uns in den Kommentaren.